Contarex I
Hersteller:               Zeiss Ikon AG.   Stuttgart
Herstellungsjahr:    1959 - 1966
Kameratyp:              Einäugige Spiegelreflexkamera
Format:                     24 x 36 mm
Verschluss:               Gummituch-Schlitzverschluss, horizontal ablaufend
Objektiv:                   Carl Zeiss  "Planar" 1:2  f=50mm
Die wahrhaft königliche Contarex stellt den absoluten Höhepunkt der Kameraproduktion der Zeiss Ikon AG dar. Bedauerlicherweise muss man sie gleichzeitig als einen der Sargnägel des Unternehmens bezeichnen.
Als die Contarex auf der Photokina 1958 vorgestellt wurde und dann 1960 auf dem Markt erschien, war sie einzigartig in der Technik, unübertroffen in der Qualität, beeindruckend in Grösse und Gewicht, jedoch für gewöhnliche Sterbliche unerschwinglich im Preis.
Ein aufsichtserweckendes Novum in der damaligen Kameratechnik stellt die Kreuzkupplung von Schlitzverschluss und Objektivblende mit dem Belichtungsmesser dar. Verschlusszeit und Filmempfindlichkeit werden über einen Seilzug auf das Drehspulinstrument und damit auf den Nachführzeiger übertragen, während die an einem Rändelrad vorgenommene Blendeneinstellung ebenfalls die Öffnung einer Irisblende vor der Selénzelle des Belichtungsmessers verändert, wobei mit dem abgegebenen Strom der Zelle auch der Zeigerausschlag beeinflusst wird.


Das Rändelrad in der Frontkappe stellt die Blende ein.
Die Objektive der Contarex besitzen keinen Blendenring.

Zur korrekten Einstellung muss der Zeiger mit einer Einstellmarke in Übereinstimmung gebracht werden. Ersichtlich ist der Zeiger sowohl im Sucher als auch unter einem Fenster in der Deckkappe. Auch die eingestellte Blende wird von oben in einer Öffnung des runden Belichtungsmessers abgelesen. Die Blende im Objektiv bleibt dabei voll geöffnet und springt erst beim Auslösen der Kamera auf den eingestellten Wert.


Schema der Belichtungsregelung

Der abnehmbare Lichtbegrenzer (21) vor dem runden "Bullauge" erweitert den Messbereich des Belichtungsmessers um 4 Lichtwerte. Allerdings sorgt der Seilzug für eine physische Begrenzung, so dass sich nicht alle Verschlusszeiten mit allen Filmempfindlichkeiten kombinieren lassen.

Die Technik der Contarex ist aussergewöhnlich und aufwendig. Z.B. werden die Bewegungen des Rückschwingspiegels von einem Zahntrieb präzise gelenkt, und die Blendensteuerung läuft in Kugellagern, um auch bei extremen Temperaturen eine zuverlässige Funktion zu gewährleisten.

Ab 1961 gab es für die Contarex und ebenfalls für die Contaflex Wechselkassetten, die es dem Fotografen ermöglichten, schnell den Film zu wechseln und gleiche Aufnahmen mit verschiedenen Filmen zu machen.

 
Gebrauchsanleitung für das Wechselmagazin

Das oben abgebildete Exemplar der Contarex I trägt die Nr. E 14301 und gehört zur letzten Version, die mit wechselbarer Sucherscheibe, mit veriegeltem Lichtbegrenzer vor dem Bullauge und mit Beschriftungsmöglichkeit durch Einschieben von Folienstreifen in die Bildbühne ausgestattet ist. 
Trotz des Alters von 40 Jahren schlägt der Belichtungsmesser noch nahezu korrekt aus. Dagegen  halten die mittleren Verschlusszeiten ihre Toleranzen leider nicht mehr ein. Über die Genauigkeit der 1/1000 Sekunde kann jedoch nicht geklagt werden, wie ein Blick auf das Display des Verschlusszeitmessgerätes zeigt:

A:    Ablaufzeit des 1.Rollos        12,38 ms
B:    Verschlusszeit 1/1000 Sek.  1,039 ms
C:    Ablaufzeit des 2.Rollos        12,37 ms

Und hier noch eine Anektode aus der Geschichte der Contarex:
Als blutjunger Feinmechaniker arbeitete ich ein reichliches Jahr im Versuchsbau der Zeiss Ikon AG in Stuttgart. 1958 galt es, die 6 Contarex Kameras fertig zu bekommen, die im September auf der Photokina in Köln enthüllt werden sollten.
Meine Aufgabe war es, an den von einem Kollegen schon gedrehten Messinggehäusen für das Bullauge die notwendigen Ausfräsungen vorzunehmen. Dabei passierte mir das Missgeschick, dass der Fräser eines der Teile erfasste, es mitdrehte und regelrecht rändelte. Mir wurde heiss und kalt und peinlich zumute. Schnell beschaffte ich mir neues Material, schlich mich an eine Drehbank und begann ein neues, rundes Gehäuse anzufertigen. Nur unser Meister Weber wunderte sich, weshalb ich mich an der Drehbank zu schaffen machte, wo ich doch an der Deckel-Fräsmaschine zu stehen hatte.


Das schwarz eloxierte, runde Gehäuse des Bullauges.
Bestellnummer 716 in der Ersatzteilliste

                   Zurück zur Startseite